LIFE IS TOO SHORT TO BE SPENT ON EATING...

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Während ich dies schreibe, geht in meinem Inneren ein Krieg vor. Mein Kalorienlimit für heute ist weit überschritten und ich kämpfe immernoch mit mir, um nicht noch mehr zu fressen. Vor über einem Jahr wurde bei mir Borderline diagnostiziert und da ich zu dem Zeitpunkt noch mit meinem Jetzt-Ex Robi
zusammen war, habe ich mir Mühe gegeben, mich zu ändern,
normal zu werden. Doch ich bin immer wieder gescheitert, was letztendlich zur Trennung führte - ich habe ihn verlassen, weil ich im Affekt der Meinung war, dass ein Anderer für mich besser wäre. Diese neue "Beziehung" hat aber nicht lange gedauert. Ich habe den auch nie wirklich geliebt. Doch das merkt man erst im Nachhinein. Stattdessen habe ich mich aber von meinem Neuen dazu zwingen lassen zu essen - er hat mich regelrecht erpresst, weil er der Meinung war, ich sei zu dünn mit meinen 46kg und einem BMI von 16,5. Vielleicht hat es ihm auch nur Spaß gemacht, mich zu quälen.
Jedenfalls habe ich mich dadurch von ANA immer weiter entfernt und gleichzeitig 8 Kilo zugenommen. Doch ich war zutiefst unglücklich. Er hat mir das genommen, was mir am allerwichtigsten war - ANA.

Und nun sitze ich hier und starre auf die Kekse und den fettigen Joghurt, den ich mir gerade aus dem Kühlschrank geholt habe. Tränen laufen mir über die Wangen, mein Herz poltert gegen meine Brust. Ich weiß, dass wenn ich jetzt die Folie vom Joghurt aufreiße und den Löffel in der glibbrigen Masse versenke und mir womöglich noch einige Kekse reinstreue, ich mir heute Abend wieder die Arme zerschneiden würde. Vielleicht mache ich das so oder so, denn ich habe bereits zuviel gegessen. Doch ich weiß genauso gut, dass ich in tiefe Depressionen verfallen würde und alles Gewicht, was ich in den letzten Tagen abgenommen habe, wieder drauf hätte. Meine Psyche dreht Purzelbäume und ich starre immernoch auf das Zeug. Herr, wie ich das hasse. Ich könnte gerade jetzt meine Hand ausstrecken und mir so einen Keks nehmen, doch ich kämpfe. Noch herrscht Gleichstand zwischen dem Essen und mir. Doch ich erinnere mich an Tage, an denen ich verloren hatte und hoffe und bete, sie würden nie wiederkommen. Tage, an denen ich nichts geschafft hatte, was ich geplant habe. Ich habe keine Hausaufgaben gemacht - nichts. Weil ich den ganzen Tag mit Essen beschäftigt war. Ich ging in die Küche und machte mir meine Triggerspeise Zimtflakes. Noch nicht fertig mit dem Essen habe ich mir ein Brötchen mit Käse und Wurst und Ketchup gemacht.
Dann ein Bissen davon, einen Löffel Flakes hinterher. Und noch
einen Bissen. Dann Kekse, Eis, Wurst, Schokolade, Käse, Nudeln - was sich gerade findet. Und mein Bauch hat geschmerzt, doch ich habe nicht aufhören können. Ich habe alles in mich hineingestopft, bis ich mich vor Schmerzen nicht mehr bewegen konnte. Dann kotzen, doch nein. Ich habe
keinen Würgreflex. Ich versuchte es - immer und immer wieder. Aber ich konnte es einfach nicht. Dann kam die Depression. Doch sobald sich das Essen in meinem Bauch etwas gelegt hat, habe ich nochmal zugegriffen. Und dann nochmal. So ging das bis in die Nacht hinein. Die Papierchen von dem ganzen Kram habe ich versteck. Und mich heimlich gehasst.
Genauso, wie ich mich jetzt gerade hasse. Ich greife zum Joghurt, halte ihn, stell ihn wieder weg. Ein Teil in mir drängt mich dazu, ihn zu verschlingen, doch der andere schreit mich an, es nicht zu tun. Doch dieser Teil ist ganz schwach geworden. Ich habe ihn fast getötet, ihn töten lassen. Ich habe die Stimme, die mich immer beschützt und unterstützt hat, verraten. Im Stich gelassen. Mein Tag ist schon versaut, denk ich mir. Aber ich weiß, dass wenn ich jetzt esse, ich mir dann noch nachnehme. Und wieder einen 
FA habe. Doch morgen ist Schule und ich kann nicht schon wieder
mit einem runden Bauch zur Schule kommen. Ich schäme mich dann immer so. Scheiße, ich tue es. Ich öffne ihn. Und heule. Das bin ich nicht, denke ich mir. Ich wache morgen auf und wiege immernoch 46 und bin mit Robi zusammen. Doch es kommt nie wieder. Warum also noch essen und mich weiter enttäuschen? Wenn ich das wüsste. Wenn ich nur wüsste, warum ich immer wieder esse. Es gibt nichts, was ich mehr hasse als
Essen. Aber es ist zu spät. Ich greife zu, ich esse. Es ist wie ein Teufel, der in meinem Kopf sitzt und mir 
Anweisungen gibt. Und es verläuft genauso, wie ich befürchtet hatte - ich habe einen FA. Jetzt, wo ich fertig bin, weiß ich, dass es diesmal kein so großer FA war - ich kann noch laufen. Doch ich weiß nicht, wie ich morgen zur Schule gehen und mich meiner Freundin zeigen soll. Sie ist so diszipliniert, so schön. Und ich - ich bin genau das Gegenteil von ihr. Dabei weiß ich nicht einmal, was mich dazu bewegt hat, wieder zu fressen. Es ist Gier, ein Verlangen, ein Haben-Wollen. Ich bin ein mich im Kreis drehendes Rumpelstilzchen, das sich immer wieder selbst zerreißt. Ich verabscheue mich dafür, dass ich nachgebe, dass ich der Versuchung nicht widerstehen kann. So, wie SIE es kann.
Essen ist zu meinem größten Feind geworden. Meine Noten lassen nach, mein Verhältnis zu meiner Mutter verschlechtert sich. Und das alles nicht wegen der Magersucht, die ich so verzweifelt versuche, wiederzufinden, sondern wegen meiner Schwäche.
Ich stehe im Bann des Essens und ich werde im seinem Bann sterben, wenn Ana mich nicht rettet. Es ist das letzte Mal - meine letzte Chance. Ich will endlich frei sein.




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